Stuttgarter Zeitung 08.09.2001


Lockere Fäden

Zum Stand des Musikfests

Nicht einmal wurde die Gächinger Kantorei erwähnt bei der Pressekonferenz der Internationalen Bachakademie, die das diesjährige Europäische Musikfest resümierte und Ausblick auf das nächste Jahr nahm. Keine Frage, das Musikfest verändert sich unübersehbar. Das ist gut so. Und das ist schmerzlich für die vielen, die Helmuth Rilling und die Bachakademie auf dem langen gemeinsamen Weg begleiteten. Aber Rilling wird sich in Zukunft bei den Musikfesten einer seit diesem Jahr neuen Institution, dem Festivalchor und dem Festivalorchester, und damit dem Nachwuchs zuwenden. Rilling mag darin eine Chance sehen, das Publikum, das mit ihm (ehrenvoll) grau und weiß geworden ist, mit den Farben der Jugend zu mischen.

Mit den Kräften verändern sich die Objekte, an denen man arbeitet. Es tut dem Musikfest wohl, der säuerlich wirkenden Beschränkung auf den Namenspatron Bach zu entsagen, die Einbindung seiner Werke nebensächlicher und so programmatisch wirksamer zu planen. Allein, das Ersetzen von Namen - Beethoven gegen Bach - genügt wohl kaum und erschöpfte sich bald. Die Zukunft des Musikfestes liegt weniger darin, den schlecht so genannten roten Faden, an den alles Mögliche sich halbwegs binden ließe, abzuwickeln. Besser knüpft man wohl sein Garn quer durch die Epochen, kreuzt Altes mit Neuem, entsagt den zwanghaften Mottos - das Stuttgarter Festival Eclat hat es fein vorgemacht.

 

Götz Thieme
 
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