Stuttgarter Zeitung 06.09.2001


Sechs Flötisten sind genau fünf zu viel

Das zweite Kammerkonzert von Mitgliedern des Festivalorchesters in der Hospitalkirche

Für die Mitglieder des Festivalorchesters beim diesjährigen Europäischen Musikfest bieten die drei Kammerkonzerte eine willkommene Gelegenheit, sich in kleiner Besetzung zu präsentieren, nachdem man zuvor die kammermusikalischen Werke unter Anleitung erfahrener Dozenten und renommierter Musiker erarbeitet hat. Mit strahlenden Forteklängen, die für den kleinen Raum der Hospitalkirche des Guten jedoch zu viel waren, wurde das zweite Konzert eröffnet: Gleich 17 Blechbläser brillierten in Tilman Susatos "Danserye'' um die Wette.

Blanke Energie und Spielfreude vermittelten zwei Sätze aus dem dritten Brandenburgischen Konzert Bachs. Die von Marc Destrubé angeführten Streicher stürzten sich in wahnwitzig schnellem Tempo darauf. Plastische Kontraste von Concertino und Tutti gelangen ihnen ebenso wie saubere Intonation. Und dank des in barocker Aufführungspraxis bewanderten Destrubé legte man großen Wert auf präzise Artikulation und verzichtete weit gehend auf Vibrato. Dass die jungen Musiker zwischen all den Proben, Aufführungen und Gesprächskonzerten die Zeit finden, Kammermusik zu proben, ist erstaunlich.

Umso bewundernswerter sind daher auch die Ergebnisse, wie etwa die Serenade c-Moll, KV 388, von Mozart zeigte. Zwar grummelte es im Adagio etwas im Bass - die ungünstige Akustik trug dazu bei - und wirkte die tiefe Lage immer eine Spur zu tief, dafür funkelte und perlte das virtuose Allegro umso mehr. Homogen der Klang, makellos die Intonation.

Die musikalisch interessanteste Darbietung aber war das Adagio aus Anton Bruckners Streichquintett F-Dur, hier in einer Kammerorchesterfassung aufgeführt. Aus dem Nichts kamen die üppigen Klänge, die im dichten Legato unendliche Bögen schlugen. Immer wieder neu setzten Steigerungen an, Melodien lösten sich kraftvoll und doch elegant aus Repetitionen und stehenden Klängen. Fein abgestuft war die Dynamik, die bis ins Unhörbare zurückging. Zum Schluss noch ein Bonbon fürs Publikum: Bachs Orchestersuite h-Moll. In sechs Sätzen durften sich die sechs Flötisten abwechseln, um sich am Ende in der Badinerie zu vereinen!

 

Markus Dippold
 
top