Stuttgarter Nachrichten 05.09.2001


Präzise wie ein Uhrwerk

Kammermusik 2 des Festival-Orchesters in der Hospitalkirche

Eigentlich ist es ein schöner Gedanke, mit einem Bläsersatz von Tylman Susato ein Konzert in der Hospitalkirche einzuleiten. Musik der Renaissance passt in diesen Raum.

Wo dennoch dessen Grenzen liegen, wurde bei den "Six Dances from The Danserye'' (Einstudierung: Wolfram Arndt), mit denen Mitglieder des Festival-Orchesters das zweite Kammermusikkonzert eröffneten, leider sehr deutlich. 17 Blechbläser erzeugen schlicht zu viel Schall für diese kleine Kirche. Folglich überschlug sich manches akustisch.

Begrenzt war das Vergnügen auch beim ersten und dritten Satz aus Johann Sebatian Bachs dritten Brandenburgischem Konzert BWV 1048 (Einstudierung: Marc Destrubé). In beiden Sätzen mogelte sich das Ensemble im Lauf der ersten Takte langsam in das Grundtempo hinein, um es dann permanent zu forcieren. Unnatürliche und hektische Phrasierung war die Folge.

Großes kammermusikalisches Format zeigten dagegen die Interpreten des zweiten und vierten Satzes aus Mozarts Serenade Nr. 11 c-Moll KV 388 (Einstudierung: Klaus Kärcher) für doppelt besetzte Oboe, Klarinette, Horn, Fagott und Kontabass. Ihr Spiel atmete ruhig und hatte innere Ruhe. Die dynamischen Differenzierungen dienten der Charakterisierung, ebenso wie die kantabel gestalteten Melodien. Im inneren Auge des Hörers zogen Bilder vorbei von der bukolischen Stimmung in Barockgärten an lauen Sommerabenden.

In eine ganz andere Aura führte das Arrangement des Adagios aus Bruckners Streichquintett F-Dur für Kammerorchester (Einstudierung: Friedl Graner). Die Instrumentlisten drangen bis zum Kern des eigentümlich weltentrückten Klangs von Bruckner vor, weil sie größten Wert auf klare klar konturierte Melodien und feinabgestimmte Farbwerte legten.

Das Leichte ist das Schwere - auch bei Bach. Deshalb ein ganz großes Kompliment an die Ausführenden der Ouvertüre h-Moll BWV 1067 (Einstudierung: Jean-Claude Gérard). Wie Schweizer Uhrmacher setzten die Musiker das Präzisionswerk Bachscher Unterhaltungsmusik in Gang. Bravi!

 

Annette Eckerle
 
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