Stuttgarter Nachrichten 01.09.2001


Viel für das Auge und das Ohr

Kammermusik mit dem Festspielensemble im Mittagskonzert

Rund 30 junge Musikerinnen und Musiker aus verschiedenen Nationen boten am Freitagmittag im dicht besetzten Mozartsaal erfreuliche instrumentale Brillanz in fünf groß besetzten Kammermusikwerken.

Man schwelgte in Traditionen und in den Werten der klassisch-romantischen Literatur. Der musikalische Fortbestand scheint bei so qualifiziertem Nachwuchs gesichert. Neben ihren Orchesterverpflichtungen während des Musikfestes beschäftigten sich zahlreiche Bläser und Streicher auch intensiv mit Kammermusik.

Auf dem Programm des mittäglichen Konzerts im Mozartsaal standen Sätze aus Werken, die man nicht oft zu hören bekommt: der Beginn von Schuberts schon fast sinfonisch angelegtem Oktett oder die Sätze drei und vier von Dvoráks Serenade d-Moll für Bläser, Cello und Bass, die den Bereich der Kammermusik schon fast sprengt und auch eines Dirigenten (Norbert Kaiser) bedurfte. An den Anfang gesetzt waren je zwei Sätze der Es-Dur-Quintette für Bläser und Klavier von Mozart und Beethoven sowie der bewegte Variationensatz aus Schuberts "Forellenquintett''. Bronwen Murray Berg war für die drei anspruchsvollen Klavierparts die ideale Besetzung.

Ansonsten wechselten die Gesichter von Stück zu Stück, das Reservoir an Spitzenleuten schien unerschöpflich. Man weiß, dass die Addition von hervorragenden Instrumentalisten nicht automatisch eine Interpretation mit Tiefgang zur Folge hat, und so blieb auch hier nach nur kurzer Probenzeit so manches an einer brillanten Oberfläche. Doch der Geist der Stücke wurde lebendig. Eine gewisse Klangsinnlichkeit stellte sich ein; man war mit jugendlichem Engagement bei der Sache. Die Dozenten Klaus Kärcher, Günter Pfitzenmaier, Erich Krüger und Norbert Kaiser waren für die Qualität der Aufführungen verantwortlich; sie seien hier stellvertretend für alle genannt.

 

Wolfgang Teubner
 
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