Stuttgarter Nachrichten 30.08.2001


Gemeinschaftsanstrengung unbekannter Könner

Gesprächskonzert I "Messa per Rossini'' unter Helmuth Rilling im Beethovensaal

Kompositionen von Antonio Buzzola (Introitus), Gaetano Gaspari (Offertorium), Pietro Platania (Sanctus), Lauro Rossi (Agnus Dei) - lauter unbekannte, das Publikum sonst kaum anlockende Zeitgenossen Verdis.

Wenn aber Hemuth Rilling mit der von ihm beim Europäischen Musikfest 1988 in Stuttgart uraufgeführten "Messa per Rossini'', einer Gemeinschaftsanstrengung von 13 italienischen Komponisten zum Jahrestag des Todes von Rossini, in den Beethovensaal einlädt, dann ist diesmal zwar kein volles, wenigstens aber ein leidlich gut besuchtes Haus garantiert. Mit von der Partie im ersten von drei Gesprächskonzerten sind Stipendiaten des Dirigierkurses sowie Festival Chor und Orchester.

Mancher Beitrag wie der des Sizilianers Platania entpuppt sich in seiner Dramatik als verkappte Opernszene; Maestoso-Einleitung - Arie (Cabaletta mit Schluss-Stretta). Tonsymbolik findet sich im "Domine Jesu'' Gasparis, wo weit gespannte Intervalle das aufgerissene Maul des Löwen nachbilden. Helmuth Rilling macht anhand von Klangbeispielen deutlich, dass der Komponist hier temperamentvoll-musikantisch auf den Spuren Rossinis wandelt und Klangschwelgereien Puccinis vorwegnimmt. Starke Einflüsse des französischen Opernstils, präziser: der Charles Gounods scheinen im "Agnus Dei'' Rossis auf. Rilling bescheinigt dem kammermusikalisch durchsichtig gearbeiteten Stück "hohes Niveau''. Bei Antonio Buzzola, immerhin Domkapellmeister zu San Marco in Venedig, imponiert ihm die Archaik, etwa in Form der fast schulmäßig auskomponierten Chorfuge. Rilling: "Ein guter Handwerker - wenngleich die musikalische Aussage nicht allzu persönlich ausfällt.''

Vier Stipendiaten der Dirigierklasse Rillings: eine Engländerin sowie drei Dirigenten aus Venezuela, Griechenland und Deutschland - allesamt beruflich schon in festen Positionen - bewiesen in der zusammenhängenden Aufführung der Teile ein hohes professionelles Niveau. Prächtig auch das Soloquartett mit Measha Brüggergosman (Sopran), Barbara Osterloh (Alt), Felipe Rojas Velozo (Tenor) und Michael Schelomianski (Bass). - Bleibt für die kommenden (Gesprächs-)Konzerte nur zu hoffen, dass auch Rillings abschließender Wunsch erhört werde und nicht mehr so viele Plätze unbesetzt bleiben.

 

Helmuth Fiedler
 
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