Stuttgarter Nachrichten 28.08.2001


Nie zur Ruhe kommen wollen

Musikfest-Perspektiven

Viel Lob wurde wieder über Helmuth Rilling ausgeschüttet bei der Eröffnung des Europäischen Musikfests im Weißen Saal des Neuen Schlosses. Es wird ihn berührt haben. Aber - und das zeichnet seine Arbeit aus - er setzt sich deshalb innerlich nicht zur Ruhe. Wohin es ihn und damit die Internationale Bachakademie Stuttgart jetzt treibt, legte er in einem kleinen und sehr persönlichen künstlerischen Resümee offen: "Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft. Das Musikfest im 21. Jahrhundert''.

Ausgehend von der Erfahrung, dass sich nahezu 1000 junge Musiker aus aller Welt gemeldet hatten, um den Sprung in das neue Ensemble Festival Chor und Orchester zu schaffen, entwickelte Rilling einen Fünf-Punkte-Katalog:

Ein Festival muss Hörer dazu anregen, sich mit neuen Werken auseinander zu setzen; es muss scheinbar Bekanntes neu hinterfragen und Vergessenes wieder ins Bewusstsein rufen.

Musik muss emotional und intellektuell gemacht werden, denn "ohne Intellekt ist die Musik noch ärmer als ohne Emotion''. In diesem Zusammenhang ist die vermittelnde Form des Gesprächskonzerts unverzichtbar.

Die Lehre muss fester Bestandteil eines Festivals sein, das sich auf seine Fahnen schreibt, von einer Internationalen Akademie ausgerichtet zu werden. In diesem Zusammenhang ist es für Rilling und andere wichtig, eigene Erfahrungen in Meisterklassen an junge Musiker weiterzugeben.

Der Kontakt mit Künstlern aus aller Welt ist unabdingbar, vor allem für eine Musikstadt wie Stuttgart und ein Musikland wie Baden-Württemberg.

Kultur muss dort stattfinden, wo das alltägliche Leben abläuft, "nicht in Ferienorten wie Salzburg oder Luzern''. Die Bachakademie fühlt sich zuständig für die "Rekreation des Gemüts'', wie Bach es nannte.

 

eck
 
top