Pforzheimer Zeitung 04.09.2001


Messa per Rossini beim Musikfest

Ein Musikfestival zum Thema Italien aus Anlass des 100. Todestages von Giuseppe Verdi und das ohne Opernhaus und Opernensemble. Ist das überhaupt möglich?

Die Internationale Bachakademie Stuttgart beweist es derzeit beim Europäischen Musikfest in der Landeshauptstadt. Statt der "Traviata" stellt sie Verdis Requiem in den Mittelpunkt und erinnert in diesem Zusammenhang wieder an die von Verdi initiierte "Messa per Rossini", die 1988 von Helmuth Rilling in Stuttgart uraufgeführt wurde. In der vergangenen Woche stellte Rilling das zweistündige Werk in drei Gesprächskonzerten vor und leitete die Gesamtaufführung in der Stuttgarter Liederhalle. Ab heute wird in gleicher Weise Verdis Totenmesse analysiert und zum Abschluss des Musikfestes am Sonntag im Ganzen erklingen. Verdi hatte ja das abschließende "Libera me" zur Messa per Rossini beigesteuert und einige Jahre später zur Keimzelle seines zum Tod Manzonis komponierten Requiems gemacht. Doch auch sonst ergeben sich in der Anlage seiner Totenmesse Analogien zu den Vorgaben der Komission, die ihm und zwölf heute fast vergessenen Kollegen den äußeren Rahmen der zum Andenken Rossinis gedachten Messa vorgab. So sehr sich die Zeitgenossen Verdis gestandene Kirchen- und Opernmeister ihrer Zeit aber auch mühten, an Verdi kam keiner heran. Bei der Gesamtaufführung schlug die Stunde der neu formierten Ensembles "Festival Chor und Orchester". Vor einem Jahr hatte Ministerpräsident Erwin Teufel unter dem Eindruck des Erfolgs der "Passion 2000" emphatisch verkündet, nun werde es in jedem Jahr ein Europäisches Musikfest in Stuttgart geben. Die so geehrte Bachakademie beantwortete dies mit einem neuen Engagement, das ihrem hohen pädagogischen Ethos eine neue Qualität vermittelt. Die Idee, hoch qualifizierte junge Musiker aus aller Welt zu einem Klangkörper zu formieren, ist alles andere als neu. Gleichsam in einem Atemzug einen großen Chor und ein großes Orchester für gewaltige oratorische Werke zu klingender Einheit zu formen, ist gleichwohl eine besonders anspruchsvolle Aufgabe.

Mit Hilfe von Dozenten, darunter Maria Guinand für den Chor, wurden die Mitglieder von Chor und Orchester 14 Tage lang am Bodensee sozusagen inKlausur vorbereitet. In Stuttgart nun wurde das Werk vollendet, sprich das eminente technische Vermögen der jungen Musiker von Rilling fruchtbar gemacht für eine dramatisch aufgeladene und überaus plastische Wiedergabe der Messa per Rossini, die gegenüber der Uraufführungs-Wiedergabe an Schärfe und Intensität zugelegt hat. Wichtigen Anteil an der Wirkung der Gesamtaufführung hatten auch die Solisten Karine Babajanyan, Lioba Braun, Mkrtich Babajanyan, Michail Schelomianski und Tenor James Wagner.

 

Wolfram Frey
 
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