Bonner Rundschau 10.09.2001


Jugend hieß der Grundakkord

Jubel beim Beethovenfest um Helmut Rillings neubegründetes Stuttgarter Festivalensemble

Der Grundakkord, auf dem sich am Samstag das Beethovenfest bei Verdis Requiem mit Helmuth Rillings Stuttgarter Musikfest in der Beethovenhalle traf, hieß Jugend. Der Nachwuchs ist ein Thema von Bonns diesjähriger Beethovenfeier, zu dem sich Intendant Franz Willnauer jüngst noch ausdrücklich bekannte.

So stand also nicht die Totenfeier für die bedeutenden alten Herren - zu Rossinis Tod hatte er bekanntlich die "Libera me"-Fuge komponiert und von ihr ausgehend für Manzoni das Requiem -, im Vordergrund des Interesses, sondern Rillings gerade erst an die Öffentlichkeit getretene Neugründung eines Festivalensembles für sein Europäisches Musikfestival.

Nahezu 200 junge Chorsänger und Instrumentalisten - sie sollen jedes Jahr von neuem ausgewählt werden in aller Welt - mochten es schon gewesen sein, die beim zweiten vorgezogenen Auftaktkonzert aufs Podium kamen. Erstaunlich, was Rilling seit März mit diesem Riesenunterfangen zustandebrachte. Sicher, Vollkommenheit stand nicht im Vordergrund, sondern Feuer und Inbrunst der Jugend in den großen Chorpartien.

Perfekter, fokussierter im Effekt, könnte man sich manches (Sanctus-Doppelfuge) bei kleinerem Profichor und Renommierorchester schon vorstellen, spannender kaum. Natürlich waren es alles vorzüglich ausgebildete junge Interpreten (die Bläsertruppe schien mitten drin noch mal ausgetauscht worden zu sein). Und beim Orchester führten gestandene Orchestermusiker die Instrumentengruppen an.

Dem großen Eindruck entzog man sich nicht. Wie auch, wo doch bei Verdis "schönster Oper", wie die Ketzer nördlich der Alpen das Requiem immer schon feierten, das Wesentliche die Solisten zu singen haben. Dass für die erkrankte Sopranistin Karine Babajanyan Ersatz gefunden werden musste mit Measha Brüggergosman, tat dem tadellosen Quartett mit noch Birgit Remmert, Stephen O'Mara, Michail Schelomianski keinerlei Abbruch. Allesamt sehr gute Sänger.

Bei ihrem Finalsolo aber hat Measha Brüggergosman für einen Augenblick die anderen vergessen lassen, mit denen sich ihr Sopran auch nicht ganz ohne Rest mischte. Allein hatte sie das Prä der schwarzen Sängerinnen, eine Stimme wie die Natur selbst. Großer Jubel.

H. D. Terschüren
 
top